Das Head-Up Display, das Shuttleworth gestern in seinem Blog vorgestellt hat, ist ein interessantes Konzept. Wer es noch nicht gesehen hat:
Wobei es eigentlich schnell beschrieben ist: Statt Menüs im Fenster unter der Titelleiste gibt es eine kontextabhängige Sucheingabe, aufrufbar per Tastenkombination, welche die Menüpunkte und mehr durchsucht. Ein paar Gedanken dazu:
Eine solche Suchleiste hat einige Herkünfte. Gnome-Do, gRun, aber natürlich auch das Terminal selbst, auf das wohl nicht ohne Grund am Ende des Videos verwiesen wird. Das Menü weghaben zu wollen hat ebenfalls prominente Vorgänger, nämlich Chrome und davon abgekupfert Firefox.
Das M aus WIMP zu streichen hat Konsequenzen für die Benutzbarkeit der Oberfläche. Ein Menü hat Vor- und Nachteile: Es gibt in der Gui platzierten Funktionen einen festen Platz und es macht sonst unsichtbare Funktionen sichtbar. Beispiel für ersteres ist der Menüpunkt "Benutzer abrufen" in Pidgins Buddy-Menü. Beispiel für letzteres ist das klassische Bearbeiten-Menü mit Copy, Cut und Paste. Das ist unter Linux sogar ein Spezialfall, da die Funktion separat mit Strg + C als auch mit Markieren per Maus funktioniert und daher doppelt belegt ist, und trotzdem der feste Platz im Menü für unerfahrene Nutzer hilfreich ist.
Zugegeben: Bei vielen Programmen braucht man diese Dopplung nicht, reicht es sicher, wenn die GUI alle notwendigen Elemente enthält, wodurch das Menü dann wesentlich weniger Vorteile hat. Aber ich kann mir nicht vorstellen, GIMP ohne das Menü zu nutzen.
Desweiteren kann ein Menü mit Maus oder mit Tastatur bedient werden. Es kann durchsucht werden, und es kann Shortcuts anzeigen. Das HUD kann dagegen nur mit der Tastatur bedient werden. Falsch, natürlich auch mit Spracheingabe, was Shuttleworth als logischen nächsten Schritt bezeichnet, womit er völlig recht hat.
Es steht allerdings nicht in Konkurrenz zu festen Shortcuts, die können ja immer noch existieren, unabhängig vom HUD.
Es bietet allerdings keinerlei Übersicht. Entdeckbarkeit wird ausdrücklich im Video als Feature genannt, und ja, eine Suche nach einer Funktion findet natürlich etwas. Im Menü könnte man dagegen selbst suchen, visuell das Menü durchgehen, statt die Bezeichnung erraten zu müssen. Etwas, dessen genauen Namen ich nicht kenne, kann im Menü gefunden werden. Dazu kommt der feste Platz: Das HUD wird und muss lernen können, was toll sein kann, wenn es dadurch im Adressbuch schnell lernt, welcher Namen mit Anfangsbuchstaben C wahrscheinlich gemeint ist. Das gleiche bei Menüfunktionen erfordert dagegen meine Aufmerksamkeit, wenn der Menüpunkt vom zweiten zum ersten Suchergebnis rutscht.
(Ein paar dieser Punkte stammen aus dem Hackernews-Kommentarthread. Man kann es jetzt schon testen).
Ohne es bisher genutzt zu haben mag ich das HUD. Ich mochte auch Gnome-Do. Eine kontextabhängige große Befehlsuchzeile ist sicher praktisch. Ich bin aber nicht überzeugt, dass man dem die Vorteile eines Menüs opfern sollte. Ich glaube, darunter leidet nicht bei allen, aber doch bei einigen Programmen und Funktionen die Sichtbarkeit von Funktionalität. Dass es anfangs parallel zum Menü existieren soll erscheint mir als sehr sinnvoll.