Bedingt durch den (noch andauernden) Umzug des DSL-Anschlusses und der damit einhergehenden Netzlosigkeit ist es hier im Blog in letzter Zeit ruhiger, die beiden letzten Kernel-Vorabversionen 2.6.32-rc7 und -rc8 konnten nicht gebührend beleuchtet werden. Der Kernel 2.6.32 selbst wurde nach Fertigstellung des Kernel-Rückblicks, aber vor dessen Veröffentlichung freigegeben, womit letzterer, was die Aktualität betrifft, leider etwas hinterherhinkt. Der Kernel-Rückblick ist, neben vielen anderen interessanten Themen, in der aktuellen Ausgabe von freiesMagazin enthalten.
Die Entwicklung des Kernel 2.6.32 schreitet weiter voran, diesen Monat mussten die Entwickler jedoch einige größere Fehler finden und beseitigen. So wurde die Veröffentlichung des -rc6 [1] durch einen Fehler in Ext4 verzögert, der zu Datenverlusten nach unsauberem Abschalten des Systems führte. Der Auslöser lag in einer erst kürzlich aktivierten Checksummen-Prüfung des Journals, die nun erst einmal wieder abgestellt wurde, bis die genauen Hintergründe geklärt sind. Außerdem in der sechsten Vorabversion enthalten: ein Patch für eine im Oktober bekannt gewordene Lücke [2], die es ermöglicht, am lokalen System SuperUser-Rechte zu erlangen und die alle bisherigen Kernel-Version der Reihe 2.6 betreffen soll (CVE-2009-3547 [3]).
Auch -rc7 [4] wurde einige Tage zurückgehalten, um ein ernstes Problem beim Aufwecken des System
nach dem Bereitschaftsmodus beheben zu können. Die Ursache war hier ein einfaches Treiber-Problem, das jedoch nicht so leicht aufzuspüren war. Eine weitere Sicherheitslücke (CVE-2009-4021 [5]) betrifft die Infrastruktur für FUSE (Filesystem in Userspace); sie gestattet das Erlangen von SuperUser-Rechten und wurde nun ebenfalls geschlossen.
Kurz vor Thanksgiving gab es dann noch die Vorabversion Nummer 8 [6], die dann bereits deutlich weniger Änderungen gegenüber dem Vorgänger aufwies. Getreu dem Motto, dass zwei Ziffern hinter dem „-rc“ nicht gut sind, stellte Torvalds dann auch die baldige Freigabe des stabilen Kernels 2.6.32 in Aussicht.
Unterdessen beklagte sich der Entwickler des NetworkManagers, Dan Williams, über die Qualität der WLAN-Treiber aus dem staging-Zweig des Kernels [7]. In diesem Zweig werden Treiber abgelegt, die in künftige Kernelversionen einfließen sollen, sich jedoch noch in Entwicklung befinden. Nach Auskunft von Williams ist jedoch bei vielen der darin untergebrachten WLAN-Treiber die Funktion zum Scannen nach SSIDs (Service Set Identifiers), wodurch in der Nähe befindliche Drahtlosnetzwerke erkannt werden können, ausgeschaltet oder erst gar nicht implementiert. Bereits vor zwei Jahren habe er einen Patch bereitgestellt, der die Suche nach SSIDs aktivieren sollte, dieser sei jedoch von den Herstellern nicht eingepflegt worden. Er schlägt nun vor, Treiber, die auf dem älteren Netzwerk-Stack ieee80211 basieren, fallen zu lassen und sich nur noch auf die auf mac80211 aufbauenden Treiber zu konzentrieren. Dadurch hätten manche Anwender zwar eine gewisse Zeit lang keine Unterstützung für ihre WLAN-Hardware, dafür würden anschließend weitere Funktionen, die zum Beispiel dem Energiesparen dienlich sind, besser unterstützt werden.
Quellen:
[1] http://lkml.org/lkml/2009/11/3/377
[2] http://www.linux-magazin.de/NEWS/Luecke-im-Linux-Kernel-erlaubt-Rechteau...
[3] http://web.nvd.nist.gov/view/vuln/detail?vulnId=CVE-2009-3547
[4] http://lkml.org/lkml/2009/11/12/409
[5] http://web.nvd.nist.gov/view/vuln/detail?vulnId=CVE-2009-4021
[6] http://lkml.org/lkml/2009/11/19/395
[7] http://www.linux-magazin.de/NEWS/Kernel-Kritik-an-WLAN-Code-im-Staging-B...
Der Kernel 2.6.33 für Ubuntu im Mainline-Kernel-Archiv:
Das Ubuntu-Kernel-Team stellt ein Archiv mit dem Mainline-Kernel zur Verfügung, der ohne die spezifischen Anpassungen der regulären Ubuntu-Versionen erstellt wird.
Achtung! Die Installation des nicht angepassten Kernels kann die Systemstabilität beeinträchtigen!
Die Pakete 2 und 3 müssen nur installiert werden, wenn Anwendungen vorhanden sind, die die Headerdateien benötigen um z.B. Kernelmodule zu kompilieren. Die Pakete sollten dann in der jeweils aufgeführten Reihenfolge installiert werden. Die Kernel-Quellen werden nicht benötigt.
Architektur i386 (32 Bit):
- linux-image-2.6.32-020632-generic_2.6.32-020632_i386.deb
- linux-headers-2.6.32-020632_2.6.32-020632_all.deb
- linux-headers-2.6.32-020632-generic_2.6.32-020632_i386.deb
Architektur amd64 (64 Bit):
- linux-image-2.6.32-020632-generic_2.6.32-020632_amd64.deb
- linux-headers-2.6.32-020632_2.6.32-020632_all.deb
- linux-headers-2.6.32-020632-generic_2.6.32-020632_amd64.deb
Kernel-Quellen:
- Aus dem Ubuntu-Mainstream-Kernel-Archiv (installierbar): linux-source-2.6.32_2.6.32-020632_all.deb
- Direkt von Kernel.org: gzip (ca. 78 MB) / Bzip2 (ca. 61 MB)
