Den aktuellen -rc1 habe ich verbummelt (wie so einige Versionen davor), aber allmählich wird es Zeit, Mal wieder einen genaueren Blick auf die Entwicklung zu werfen, bevor ich ganz davon abgehängt werde.
Am 1. November wurde die erste Vorabversion des neuen Linux-Kernel veröffentlicht, fast 10.000 Änderungen sind während des Merge Window aufgenommen worden. Besonders bemerkenswert fand Torvalds, dass die Verwendung des Big Kernel Lock (BKL), einem überholten und nur aus Gründen der Kompatibilität bisher beibehaltenen Locking-Mechanismus für den Kernel (siehe „Kernel-Rückblick“, freiesMagazin 06/2008), mittlerweile aus fast allen zentralen Komponenten getilgt ist. Einige Treiber nutzen BKL immer noch, sodass bei einer Kompilierung ohne BKL-Unterstützung trotzdem noch mit Einschränkungen zu rechnen ist. Eine der umfangreichsten Änderungen betrifft die Treiber für das HTC Dream, diese flogen raus da sie nicht mehr aktiv bearbeitet werden und es nach Ansicht Kroah-Hartmans sowieso zweifelhaft ist, ob sie sich überhaupt kompilieren lassen.
-rc2 liegt jetzt auch vor. Trotz der Zeitspanne von zwei Wochen, die hauptsächlich des Kernel Summits und der Linux Plumbers Conference geschuldet sind, liegt die Zahl der Änderungen in einem normalen Rahmen. Einen Löwenanteil daran hat das Verschieben der gesamten tty-Umgebung, die nun einen eigenen Bereich, also ein eigene Unterverzeichnis im Baum des Kernel-Quellcodes, erhalten hat. tty ist die Abkürzung für Teletypewriter, zu deutsch Fernschreiber. Es dient der Darstellung der Linux/Unix-Standardausgabe und reicht Eingaben über die Standardeingabe an Anwendungen und Prozesse weiter. Bislang war tty im Bereich des char-Treibers beheimatet, der die Kommunikation mit zeichenorientierten Geräten wie der seriellen Schnittstelle übernimmt. Grundsätzlich wäre das ja auch passend, allerdings liegt im char-Bereich einiges an überflüssigem Code herum, den aufzuräumen Greg Kroah-Hartman nun offensichtlich begonnen hat.
