Lange Zeit (und schon vor meinem Wechsel zu Ubuntu unter Windows) war Opera mein Favorit. Klein, schnell, und viele Funktionen eingebaut, die man bei anderen Browsern erst per Addon nachrüsten muss. Unter Linux hat mich aber eines schon länger gestört: Während die meisten Programme dank GTK einen schönen, gemeinsamen Look teilen (und auch Qt4 war hier ein Sprung vorwärts für den einheitlichen GNOME-Desktop), hat Opera eigene Skins. Mit entsprechenden Skins konnte man aber durchaus einen GNOME-ähnlichen Look hinbekommen.
Unter Lucid sieht das ganze aber einfach nicht mehr so gut aus. So werden z.B. die Menüs nicht dem Ambiance-Theme entsprechend dunkel dargestellt, und die Schrift passt auch nicht richtig zum Desktop:
Lange wollte ich nicht rumbasteln, sondern habe mich statt dessen entschieden, mal einem neuen Browser eine Chance zu geben. Einem Browser, der sich gut in den GNOME-Desktop integriert. Firefox ist mir, wie gesagt, etwas zu fett. Ein schon länger vorhandener Bug führt zudem dazu, dass die Schrifteinstellungen des Desktops nicht berücksichtigt werden (auch wenn man dies mit einem Workaround beheben kann):
Also weitersuchen. Unter GNOME bietet sich da natürlich Epiphany an, der eigentlich Standardbrowser von GNOME. Seit einiger Zeit setzt Epiphany nicht mehr auf Gecko, die Rendering-Engine vom Firefox, sondern auf WebKit. (WebKit ist ja jener KHTML-Abkömmling, der spätestens mit dem iPhone-Browser einige Prominenz erhalten hat, und nun auch zum neuen Star der Rendering-Engines unter Linux avanciert.) Epiphany punktet vor allem durch seine Schlichtheit. Ganz der GNOME-Philosophie folgend, soll sich Epiphany ganz auf seine Hauptaufgabe konzentrieren, das Navigieren durchs Web. Mir persönlich ist Epiphany aber ein bisschen zu spartanisch. Als Opera-Nutzer ist man vielleicht etwas mehr Komfort gewöhnt. Außerdem weiß ich nicht, ob es der beste Fix für den Bug mit den zu kleinen Schriften ist, einfach prominent Buttons für die Schriftgrößenänderung zu platzieren.
Mir ist dann noch Midori eingefallen. Midori ist ein leichtgewichtiger, auf GTK und WebKit aufbauender Browser, der es mittlerweile zum Standardbrowser des Xfce-Desktops gebracht hat. Und ich muss sagen: Ich bin sehr beeindruckt. Midori startet schnell (ca. 5 Sekunden, während Firefox bei mir eher 15 braucht). Mit Midori kann man natürlich vor allem browsen, aber es hat auch einige nette Zusatzfunktionen. Und einiges erinnert durchaus an Opera: Am auffälligsten ist vermutlich die Schnellwahl, die in leeren Tabs angezeigt wird und einen schnellen Zugriff auf ausgewählte Seiten erlaubt. Aber auch eine Seitenleiste, die Verlauf, Lesezeichen und einiges mehr beherbergt, ist von Opera bekannt. Midori erlaubt darüber hinaus, geschlossene Tabs wieder zu öffnen und hat einen privaten Modus (wobei auch schon bei Firefox böse Zungen behaupten, das „P“ stehe eher für „porn“ denn für „private“).
Hier sieht man Midori im fröhlichen Reigen der behandelten Browser:
Ganz ungetrübt ist die Browsing-Freude nicht, so tun sich manche Websites mit Midori schwer. Das kennt man aber auch von Opera, und in einigen Fällen (wie etwa bei Google Maps) kann man dies beheben, indem man Midori einfach als Safari ausgibt. Den Firefox habe ich sowieso immer drauf und kann zur Not darauf zurückgreifen. Aber für den alltäglichen Gebrauch gefällt mir Midori bisher sehr gut. Ich werde ihn erst einmal zu meinem Standardbrowser machen und gucken, ob ich auf Dauer damit zufrieden bin. (Die kommende Version 10.50 von Opera werde ich aber natürlich auch einmal ausprobieren.)