Neue Trends im Web sorgen immer mal wieder für Fragen nach möglichen Anwendungszwecken in der Wissenschaft. Lässt sich Wissenschaft über von Blogs, Twitter und Co. betreiben? So auch in der Religionswissenschaft. Einige mutige Pioniere betreiben auch schon seit beachtlicher Zeit eigene Blogs, darunter eher private wie religionswissenschaft.info oder professionelle wie das SciLog von Michael Blume. Sogar auf Twitter findet man Religionswissenschaft (Geht das überhaupt?)
Die Entscheidung, religionswissenschaftliche Inhalte über neue Wege im Netz zu verbreiten, ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Wer aber liest die verfügbaren Informationen? Blogs (ursprünglich als Web Logs die digitale Variante des Tagebuchs) und Microblogs (wie die von Twitter erfundene Gattung der Mini-Nachrichten genannt wird) sind vor allem auf die Person des Autors zugeschnitten. Wer ein Blog abonniert oder einem Microblog folgt, bekommt entsprechend alle Nachrichten einer Person.
Im wissenschaftlichen Bereich geht es jedoch weniger um Personen und mehr um Themen. Nur weil eine Person beruflich Religionswissenschaftler(in) ist, interessieren nicht unbedingt die neuesten Urlaubsfotos. Die meisten wissenschaftlichen Blogs sind daher Themenblogs.
Weiterhin interessiert eine Leserschaft oft nicht nur, was eine Person zu einem Thema schreibt, sondern die Beiträge verschiedener Autorinnen und Autoren. Die Blogroll (also die Liste verwandter und emfohlener Blogs) auf religionswissenschaft.info umfasst annähernd dreißig Blogs – will man thematisch umfassend informiert sein, muss man also eine Unzahl von Einzelblogs verfolgen.
Gemeinschaftsblogs, bei denen mehrere Autoren von Zeit zu Zeit ihre Beiträge veröffentlichen, können dieses Problem nur unbefriedigend angehen: Soll ein Blog eine hinreichende Zahl relevanter Autoren repräsentieren, kommt man schnell vom dezentralen Prinzip ab, das die Blogs gerade so attraktiv macht. Gemeinschaftsblogs nähern sich daher oft dem Format von Online-Zeitschriften.
Sind denn Formate wie Blogs und Microblogs, die ihren Ursprung in der unbegrenzten Sendung von Ich-Botschaften haben, überhaupt für den wissenschaftlichen Austausch geeignet? Ich denke, ja. Aber vor allem dann, wenn aus Einzelsendern ein thematisch fokussiertes Netzwerk wird. Und dazu gibt es bereits Techniken, die nur auf die Anwendung im Bereich der Religionswissenschaft warten.
Dieser Artikel soll den Auftakt für eine Mini-Serie zu Web-2.0-Diensten und ihrem möglichen Nutzen für die Religionswissenschaft sein. Vielleicht kann damit die eine oder andere Diskussion angestoßen werden, oder der eine Wissenschaftler oder die andere Wissenschaftlerin zum Mitmachen motiviert werden.
→ Zum zweiten Teil der Serie