Eigentlich ist all das, was für uns schon fast selbstverständlich scheint, ein großes Mysterium. Wie kann es sein, dass ausgerechnet in einer kapitalistischen Gesellschaft eine Kultur der freien Software entsteht und besteht?
Ausschlaggebend ist dafür sicher auch die Motivation des einzelnen, an dieser Gesellschaft mitzuwirken. Welche Motivationen dafür gibt es eigentlich?
1. Die Welt verbessernVielleicht ist es nicht der häufigste persönliche Grund. Aber oft wird er implizit wirken und manche Projekte wie Ubuntu schreiben es sich direkt auf die Fahnen. Der PC als Zugang zum Wissen kann nur einen freien Zugang gewähren, wenn es auch freie und kostenlose Software gibt, um ihn zu nutzen. Desweiteren existiert in manchen Köpfen sicher auch noch das Ideal des Gebens an die Gesellschaft, das Nutzen der eigenen Fähigkeiten zu ihrem Gunsten, gar das sozialistische Ideal des Neuen Menschen
Er beginnt, sich in seinem Werk wiederzuerkennen und seine menschliche Größe mit Hilfe des geschaffenen Gegenstandes, der verwirklichten Arbeit, zu erfassen. Diese Arbeit bedeutet nicht mehr, einen Teil seines Seins aufzugeben als verkaufte Arbeitskraft, die ihm nicht mehr gehört; sie wird statt dessen zum Ausfluß seiner selbst, zu einem Beitrag für das gemeinsame Leben, in dem er sich spiegelt: zur Erfüllung seiner gesellschaftlichen Pflicht.
2. Weil man es kann
Programmierer programmieren meiner Erfahrung nach gerne mal aus Interesse. Da wird eine Sprache gelernt und es entsteht ein Programm, dort wurde ein interessantes Prinzip umgesetzt und wieder anderswo war es das benötigte und daher geschriebene Programm, das schließlich unter eine freie Lizenz gestellt wurde. Manchmal ist der Beitrag an die Gemeinschaft in solchen Fällen dann nur das Nebenprodukt der eigenen Arbeit, denn warum sollte nicht noch nebenbei jemand anders davon profitieren (und sehen, was man kann), wenn sowieso keine Geschäftsinteressen die Erschaffung des Programms motivierten?
3. Qualifikationen erwerbenDie Mitarbeit an einem bestehenden Projekt konfrontiert oft mit viel mehr als dem, was man alleine im stillen Kämmerlein erleben würde. Die wenigsten können alleine verwirklichen, was eine Gemeinschaft verwirklicht hat. Von der Mitarbeit an einem solchermaßen komplexeren Projekt profitiert man also ungemein. Nicht nur wegen dem Code, sondern auch wegen der Teamarbeit, die genauso gelernt werden muss wie Programmieren an sich. Die Mitarbeit an einem freien Projekt schafft solche Möglichkeiten, das Vorweisen von solchen Erfahrungen qualifiziert später bestimmt öfter mal für einen Arbeitsplatz, der sonst nicht erreichbar gewesen wäre.
4. GeschäftsprinzipDas Gegenteil des ersten, vielleicht sozialistischen und auf jeden Fall idealistischen Punktes, ist die kapitalistische Motivation des möglichen Gewinns. Freie Software, die dann wohl eher als Open Source bezeichnet wird, ist eben auch ein Geschäftsmodell, mit dem Lockmittel oder Basis für kostenpflichtige Produkte oder Leistungen produziert wird. Auch Software, die aus solchen Motiven entsteht, kommt der Gesellschaft zugute.
Vielen gemein: AnerkennungIst die Mitarbeit an freier Software nicht nur Geschäftsinteressen geschuldet, dann spielt bei den meisten Menschen garantiert auch die Anerkennung hinein. Ein "Danke" motiviert, an diesem Projekt weiterzuwirken, und ein "Danke" gestützt durch ein Geschenk oder eine Spende bestimmt oft noch mehr. Solange dies nicht die Antriebskraft ist, kann man das auch nicht mit dem Geschäftsprinzip gleichsetzen. Wer also einem Entwickler was gutes tun will gibt Rückmeldung und Anerkennung, in drei meiner vier identifizierten Motivationsfällen verursacht sowas große Freude.
Fallen euch noch mehr Gründe ein, warum Menschen an freier Software mitwirken?