- Content Scramble System (DVD)
- AACS bei HD DVDs
- Un CDs
- Sony Rootkit
- AACS auf der PS 3
- Spotify als Rückkehr des DRM
- Ebooks, die fast alle mit DRM geschützt sind (z.B.: Amazons Löschaktion von "1984")
Stallmans Rede gestern abend in der TU-Darmstadt hatte viel mit diesen Punkten zu tun. Beschreiben sie doch eine Sache: Firmenmaßnahmen, die Kontrolle über Dateien auf Nutzer-PCs ausüben sollen. Seine Rede handelte nämlich nicht über freie Software, sondern über das Copyright bzw. allgemein über die Frage, was dem Nutzer mit welchen Daten wie erlaubt sein sollte.
Natürlich gab es vorher eine Einführung in seine Sichtweise auf freie Software, was gut so war, denn es ist eine seiner Anfangsaussagen, die sich als Grundlage durch seinen ganzen Vortrag zog:
Freie Software lässt dem Nutzer die Kontrolle, proprietäre kontrolliert den Nutzer
Klar, dass bei DRM-Systemen (die er konsequent Digital Restriction Management nennt) diese Sichtweise besonders angebracht ist.
Dass die Nutzer überhaupt kontrolliert werden sollen im Namen des Urheberrechts und sonstigen Rechten der (Medien-)Konzerne führt er auf eine Ausweitung des Copyrights zurück. Die wiederum fuße auf der historischen Entwicklung: Während früher jede Kopie aufwändig war, war es mit der Druckerpresse die Massenkopie deutlich einfacher als die Einzelkopie, und inzwischen ist jede Kopie mit wenig Aufwand möglich, wenn auch die Einzelkopie immer noch ein bisschen teurer ist. Diese technische Entwicklung verbunden mit der Rechtsauffassung vergangener Tage und dem aus der Zensur abstammenden Copyright, als es eben noch nicht schlimm war, das Recht auf Kopien aufzugeben, weil man die damals kaum anwenden konnte, sorge nun für die Probleme.
Die Liste von oben beschreibt mehr als irgendwelche DRM-Kopierschutzmaßnahmen: Sie zeigt auch, dass diese immer weiter ausgeweitet wurden. So wie die Firmen das handhaben, handeln auch die Regierungen: Nicht nur wurde in den USA und anderen Ländern das Copyright immer vor dem Auslaufen verlängert, sondern auch in der Anwendbarkeit verstärkt - war es früher kein Problem, von einem Buch eine Kopie anzufertigen oder es jemanden auszuleihen, werde das nun im Namen von Rechten, die einst gar nicht gegen die Nutzer gerichtet gewesen seien, bekämpft. "Three Strikes Down"- und das Abmahnmodell brauchte er für diese These gar nicht erst anzuführen. Stallmans Meinung nach sei das ein klarer Hinweis dafür, dass heutige Demokratien nicht mehr ihre Bürger vertreten, sondern von der Industrie gesteuert werden. Das DMCA beispielsweise sei von der Industrie gekauft.
Es gibt Gegenmodelle zum jetzigen Zustand, und auch Stallman hat eines:
- Das Copyright auf 10 Jahre reduzieren, allerdings beginnend nach Veröffentlichung.
- Seine Anwendbarkeit reduzieren, in drei Kategorien: "Rezepte" (z.B. Code) sollte frei sein und kopiert werden dürfen, "Essays" sollten kopiert werden dürfen und "Entertainment und Kunst", was kopiert werden und von dem Remixe erlaubt werden sollten.
Kopieren über das Internet sollte also erlaubt sein, auch von Musik und Filmen. Gesellschaftlich wichtig sei es nicht, die Vertreiber am Leben zu erhalten, sondern die Ersteller der Werke zu unterstützen. Dafür nannte er wiederum ein Modell:
- Künstler sollten aus einer Steuer gesamtgesellschaftlich bezahlt werden, Ausschüttung nach Popularität, aber nicht der absoluten, sondern ihrer
wurzeldritten Wurzel, um zu bekannte Künstler nicht unangemessen hoch zu entlohnen. - In jedem Player sollte ein Spendenknopf sein, gekoppelt an ein freies anonymes Bezahlsystem, um Kleinstbeträge direkt beim Hören zu spenden. Er meine damit Beträge von nicht mehr als ~1€ die Woche, je nach Verdienst.
- Der dritte Punkt ging akustisch etwas unter. Wenn ich das richtig verstanden habe war das, dass Unternehmen, die solche Medien nutzen, an die ISP etwas von ihrem Gewinn zahlen, die das dann wiederum an die jeweiligen Künstler weiterleiten
Insgesamt war es eine lange Rede, aber man merkte Stallman an, dass er sowas oft und schon lange macht: seine Sprache ist klar, sein Englisch auch für einen Deutschen gut verständlich. Seine Sichtweise ist in vielen Punkten extrem, seine vollständige Ablehnung von unfreier Software beispielsweise, und er nimmt sich komplett ernst. Wenn er zum zehnten Mal "quote Intellectual Property unquote" sagt, weil er den Begriff verwerflich findet und ihn nicht benutzen will, aber auch das erstmal formulieren muss und ihn dafür braucht, ist das für den Hörer anstrengend. Ab und an löste solche Ernsthaftigkeit sogar Gelächter aus. Aber: Je mehr klar wurde, dass er das komplett ernst meint, weil es ihn eben nicht um technische, sondern um politische Überzeugungen geht und er völlig sicher ist, dass nur auf seinem Wege in unserer technisierten Welt die Freiheit jedes einzelnen bewahrt werden kann, desto leiser wurde das Lachen. Beim Hinausgehen sah man sehr viele nachdenkliche Gesichter, er erntete viel Applaus.
Und sein Modell, dass den Kampf gegen das Schwarzkopieren beenden soll? Meiner Meinung nach könnte das funktionieren und es wäre fair. Was meint ihr?