Wenn ich selbst verwirrt vor dem PC sitze weil etwas nicht funktioniert wie erwartet, schau ich mir das inzwischen gerne ganz genau an. Oft sind das perfekte Beispiele für schlechte Usability. So auch dieses:
Im Rechnerpool gibt es seit diesem Semester neue PCs mit neuen Monitoren. Deren native Auflösung war die ganze Zeit nicht auswählbar, sie waren also nicht benutzbar. Jetzt hat sich jemand erbarmt und ein passendes neues Linux-Image zur Verfügung gestellt, das beim Boot ausgewählt werden kann. Die Auflösung funktioniert jetzt. Toll.
Es ist ein neueres Linux mit neuer Software und weniger Altlasten. IceWM fehlt. Statt um Aufnahme des Fenstermanagers zu bitten schaute ich mir die Alternativen an - ich bin eh bald weg, voraussichtlich. LXDE hatte ich ganz am Anfang seines Lebens schonmal getestet und es war damals vielversprechend. Es hat sogar ein ähnliches Design wie mein IceWM.
Und dann stand ich da mit der halbwegs hübschen Standard-Oberfläche (das Hintergrundbild ist mir zu arg) und hatte nur zwei Desktops. Erstmal ignoriert, zum Problem wurde das erst, als ich noch ein PDF korrigieren sollte. Denn dafür braucht es unbedingt vier Arbeitsflächen (man stelle sich Sheldon-artige Organisiertheit vor).
Rechtsklick auf den Pager. Keine Auswahl dafür. Rechtsklick auf den Desktop. Da gab es zwar ein Menü, aber keine Option für die Anzahl der virtuellen Desktops. Nur mein Interesse an dem Grund für diese Konfusion bewahrte mich davor, nun völlig kribbelig zu werden. Was gut so war, denn der Monitor ist sowieso festgeschraubt und daher nicht gut werfbar. Das Startmenü hat ein Menü für Einstellungen, dessen Einträge ich durchforstete, aber nichts sah passend aus.
Da erinnerte ich mich: Openbox. LXDE nutzt Openbox als Fenstermanager. Also kann das Openbox-Einstellungsprogramm, das so freundlich im Menü platziert ist und von mir bisher völlig - weil irrelevant erscheinend - ignoriert wurde, wohl weiterhelfen. So war es dann auch.
Großartiges Beispiel dafür, dass eine solche Platzierung von Einstellungsmöglichkeiten erst dann Sinn machen, wenn man das System im Detail kennt. In einem viel größeren Detail, als der normale Nutzer es kennen müssen sollte.
Natürlich ist mir klar, dass bei einem solchen Misch-Linux das Menü von LXDE wahrscheinlich besonders unaufgeräumt war und dies das Problem vergrößert hat. Und dass ich auch nicht weiß, ob es eine aktuelle LXDE-Version war. Aber es geht mir nicht um das Bashing, nicht um Schuld. Es ist meiner Meinung nach einfach ein tolles Beispiel für einen Gulf of Execution.
